Bankberater mussten seit Beginn der Finanzkrise massive Kritik einstecken - und haben offenbar wenig Lehre daraus gezogen. Die Qualität der Beratung in den Banken ist "katastrophal", ergab ein gemeinsamer Test der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der ZDF-Redaktion "WISO".
Bankenkrise
Auferstehung der Bad Banker
Rabatt für Lehman-Leute
Keine zehn Monate ist es her, da erregten Banker noch Mitleid: In den USA gewährten Kneipen gefeuerten Mitarbeitern des Pleiteinstituts Lehman Brothers Rabatt aufs Bier, Karrieretrainer räumten Nachlässe bei der Bewerbung für einen neuen Job ein. In Deutschland sorgten sich Gewerkschaft und Öffentlichkeit um Zehntausende Arbeitsplätze in der Branche. Vor allem aber litten Inhaber von Finanzaktien mit den Bankern; Anleger mussten zum Teil herbe Verluste hinnehmen.
Die Gewinne sprudeln wieder das Bild hat sich gewandelt.
Inzwischen sprudeln die Gewinne bei vielen Geldhäusern wieder, Boni werden fließen - damit entdecken Banker teilweise die alten, verhängnisvollen Geschäftsmodelle. Ausgerechnet Politik und
Währungshüter machen es möglich mit geänderten Bilanzgesetzen, niedrigen Zinsen und Bad Banks. Von der eigentlich geplanten strengeren Regulierung ist dagegen nicht viel zu sehen. Geht also alles
wieder von vorne los? Werden die Banken künftig erneut in der Lage sein, hohe Risiken einzugehen und diese in ihren Bilanzen zu verstecken? Investoren scheint diese Aussicht fatalerweise zu
erfreuen.
Neue Euphorie bei Bankaktien Quasi elektrisiert nahmen sie in dieser Woche die Nachricht auf, dass Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Regeln für
die Eigenkapitalbilanzierung lockern will. Kaum machte der Vorschlag die Runde, griffen Anleger zu. Commerzbank -Papiere gewannen mehr als fünf Prozent, auch die Kurse von Deutscher
Bank und Postbank hängten DAX und MDAX ab. Dabei sollte das Ziel
der Regelung zu denken geben: Verlieren von einer Bank gehaltene Papiere an Wert, soll dies nicht mehr offiziell das Eigenkapital schmälern. Die Institute hätten mehr Spielraum für die Kreditvergabe
- aber eben auch für riskantere Geschäfte.
"Drohender Rückfall in alte Zeiten"
Aus Sicht des Frankfurter Bankenprofessors Martin Faust eine Steilvorlage für einen "Rückfall" in alte Zeiten. "Niemand hindert die Banken daran, die neuen Freiheiten für verstärkte Wertpapiergeschäfte zu nutzen", warnt er. Die Politik versuche "die Krise mit Mitteln zu bekämpfen, die für deren Ausbruch verantwortlich sind", sagt auch Bankenanalyst Dieter Hein von Fairesearch.
Finanzaktien zischen davon Das kurzfristiges Denken und der Optimismus der Bankmanager macht sich jedenfalls wieder bemerkbar: Seit Jahresbeginn haben deutsche Finanzaktien im Schnitt um 60 Prozent zugelegt, während der DAX sich in etwa auf dem Niveau von Anfang Januar befindet. So richtig startete die Rallye im März und beschleunigte sich, als einzelne Institute später bereits erneut Milliardengewinne verkündeten. Dass diese zum Großteil auf Bilanzierungserleichterungen beruhen, trübte die Stimmung kaum.
Neuer Ehrgeiz bei der Deutschen Bank Bei der Deutschen Bank rückt die gewünschte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent dank Milliardenerträgen im Investmentbanking wieder ins Visier von Vorstandschef Josef Ackermann. "Die 25 Prozent lassen sich erzielen, ohne dass große Risiken eingegangen werden müssen", sagte Ackermann - während Bankprofessoren mühsam versuchen, ihren Studenten das Gegenteil einzubläuen, als eine der wichtigsten Schlussfolergungen der Finanzkrise.
Was hat die Branche gelernt? Deutsche Bank -Chef-Ackermann wird dagegen nicht müde, zu betonen, wie gravierend
die Finanzkrise die Bankenszene verändert hat und rühmt sich einer Kernkapitalquote von gut zehn Prozent. Diese bezieht sich allerdings nur auf riskante Positionen. Bezogen auf die gesamte
Bilanzsumme der Deutschen Bank in Höhe von 2,1 Billionen Euro macht das Eigenkapital (Tier 1) laut Fairesearch lediglich 1,5 Prozent aus. "Ein echter Risikopuffer ist das nicht", sagt Analyst
Hein.
"Die nächste Welle rollt heran"
Anleger sollten dem Frieden an den Märkten allerdings immer noch nicht trauen. "Bankaktien bleiben hochspekulativ", so Hein weiter. "Die nächste Welle der Finanzkrise rollt bereits heran." So
drohen im Kreditgeschäft aufgrund der erwarteten Insolvenzwelle massive Abschreibungen. Hein erwartet, dass viele Institute diese Phase nur mit staatlicher Hilfe überstehen. Hinzu kommt, dass die
Geldkonzerne ihre Risiken dank mancher Bilanzerleichterung weiterhin nur ungenügend offenlegen. "Man hat den Banken sogar Wege und Mittel eröffnet, dass sie noch intransparenter geworden sind", sagt
Hein.
Kaum Kredite für Konzerne In den USA und London berichten Banker bereits wieder euphorisch von üppigen Margen, die in den alten Geschäftsfeldern zu erzielen
sind. Die beginnende Berichtssaison wird Beobachtern und Analysten zufolge wieder satte Gewinne der Ex-Investmentbanken mit sich bringen, die zum großen Teil in den alten, volatilen Geschäftsfeldern
erzielt werden. Bei der Kreditvergabe an Unternehmen halten sie sich zurück, was ihnen angesichts steigender Ausfallquoten allerdings nicht immer zu verdenken ist. Manche Ex-Investmentbank in den USA
sieht es wohl als zu gewagt an, sich auf ein solches, für sie neues Geschäftsfeld vorzuwagen und macht lieber weiter wie bisher.
Die Politik war zu gutgläubig Größere Freiheiten sind willkommen, ein neuer kultureller Ansatz und die viel beschworene stärkere Regulierung sind es eher
nicht - beides lässt auf sich warten. "Das Klima hat sich radikal geändert", sagt Hein. Aus niedrigen Zinsen, Bad Banks, Bilanzerleichterungen und Bürgschaften entsteht ein Umfeld, in dem vieles
wieder möglich scheint, was zuletzt noch verpönt war. "Nun könnte es sich rächen, dass die Politik den Banken die Vorteile größtenteils ohne Zweckbindung gewährt", sagt Bankenexperte Faust.
WACHOW & UMGEBUNG